Sportarten zur Unterstützung der Entstauung bei lymphostatischen Ödemen
Allgemein ist zu beachten
- Sportarten mit fließenden, harmonischen Bewegungen wählen,
- Pulsfrequenz nicht über 140/Minute,
- auf geringe Unfallgefahr achten,
- Kompressionsbandagierung/-bestrumpfung tragen!
- lesen Sie dazu auch den Artikel "Sport mit Augenmaß" in der Lymph-Aktiv Nr. 1
Viel Bewegung produziert auch viel Lymphe, die abtransportiert sein will!
Daher: Langsames Tempo einlegen, mehr Pausen machen, nicht ins Schwitzen kommen.
Und: Scheuerstellen, Einschnürungen (durch Kleidung oder auch die jeweilige Kompression) in lymphgestauten Körpergebieten vermeiden.
Achtung: Die Gruppendynamik reißt einen schnell mit. Das Ödem soll ja nachher nicht schlechter sein als normal.
Lipödembetroffene können/sollten mehrfach die Woche und von der Intensität vermehrt Sport treiben.
Im Gegensatz dazu: Lymphödembetroffene, besonders wenn körpernahe Lymphknoten / -gebiete geschädigt sind, müssen Ihre Abflussgrenzen kennen. D.h.: wenn während / einige Zeit nach dem Sport das Ödem zunimmt war es "des Guten zu viel"!
PS: Zum Thema "risikoreiche Sportarten und Verletzungen" lesen Sie bitte auch unten weiter !!!
- Trockengymnastik - immer in Kompressionsbandagierung/-bestrumpfung
Sportgruppen in der (Brust) Krebsnachsorge: Info über den jeweiligen Landessportbund. Die Übungsleiterinnen sind speziell ausgebildet und über Lymphödeme informiert worden. Es gibt über 300 Gruppen in Deutschland.·
Beinödembetroffene: Kurse regelmäßig zur Entstauung durch Lymphselbsthilfe Gruppen, z.B. seit Jahren in Giessen, Bad Nauheim, Bad Kreuznach
Entstauungsgymnastik der Dt. Lymphschulung: Unter dem Link finden Sie einige Übungen
Bewegung, Spiel und Sport für Krebspatient/innen: z.B. über Hess. Krebsgesellschaft 06421-63324 und andere Vereine die das Thema "Krebs" betreuen
Natürlich sind auch günstig: allgemeine Präventions-, Spiel und Sportgruppen. Ansprechpartner dafür z.B. Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband e.V. oder Krankenkassen, Turnvereine·
PS: vorher ist eine Lymph-Schulung empfehlenswert, dort werden auch Themen wie: Atemübungen, Erspüren der eigenen Leistungsgrenze / Lymphabflusskapazität, korrekte lymphologische Bestrumpfung etc. besprochen. - Wassergymnastik - natürlich nicht in Bestrumpfung
· speziell für Arm- und Beinödembetroffene durch einige Lymph-Selbsthilfegruppen und durch Unterstützung von Lymphtherapeuten bereits seit Jahren fest im Programm (Gersfeld, Bad Nauheim und Hof). Fragen Sie mal nach.
· bei allgemeinen Wassergymnastikkursen - selber zentrale Entstauungs- und Atemübungen durchführen, Wasserhöhe sollte bis zu den Schultern reichen, Wassertemperatur sollte nicht über 29 Grad sein, Angebote durch den DLRG, Kneipp-Vereine und in vielen Schwimmbädern
· Aqua-Jogging ist sehr populär geworden - im tiefen Wasser, mit einem Schwimmgurt. Achtung: Man muss schwimmen können. Achten Sie darauf, dass der Gurt gut gepolstert ist und nicht einschneidet. Die Bauch- und Brustkorbatmung wird etwas behindert durch den Gurt.
Auf eigene Leistungsgrenze/ Lymphabflusskapazität achten, auch im Wasser fängt man/frau an zu schwitzen! - Schwimmen
· ruhiges Brust-/Rückenschwimmen
· vorher + nachher: Zentrale Entstauungs- und Atemübungen
· Wassertemperatur nicht zu kalt und nicht zu warm - Obergrenze der Temperatur kann für Personen unterschiedlich sein. Sehr warme Thermalbäder sind aber sicher ungeeignet!
PS: Ödembetroffene und auch Ödemgefährdete Gebiete nicht vor Massagedüsen halten. Beim Arm also den dazugehörigen Brustkorb + oberen Rücken, bei Beinen den Unterkörper + unteren Rücken schonen ! - Walking - in Kombination mit entstauender Atmung, richtiger Armhaltung und auch entstauende Gymnastik zwischen drin (Schulung), günstige Aussentemperatur (nicht zu kalt oder zu heiss), im Sommer bieten sich Waldwege an, gut dämpfende Sportschuhe (Gelsohle) und natürlich in Kompression!
· angepasste Leistungsgruppen lassen sich bei Walking-Gruppen der Turn- und Sport Vereine anregen
· fragen Sie Ihren Therapeuten/in, ob weitere Betroffene mitmachen wollen - Nordic Walking - bis zu 90 % aller 600 Muskeln des Körpers sollen durch den zusätzlichen Einsatz von Stöcken in Bewegung kommen. Achtung: Der deutlich vermehrte Arm-Schultereinsatz ist besonders bei Armlymphödemen zu bedenken! Das heißt es kann zuviel Aktivität für den reduzierten Lymphabfluss der Achsel sein - andererseits bei gleichzeitig besserer Armhaltung, Pumpwirkung durch das Öffnen und Schließen der Hände und verbessertem Einsatz der Atmung. Achten Sie auch auf die Schlaufen der Stöcke: Schnüren sie den Lymphfluss der Hand ab? Ist nach dem Laufen ein Abdruck (Rückstau der Lymphe) entstanden? Wie sieht es am Oberarmabschluss aus? Also: Arm-Brustödemgefährdete bzw. - betroffene und natürlich gerade untrainierte Personen sollten lieber zunächst langsam machen, in unterschiedlichen Leistungsgruppen laufen. Beobachten Sie sich (bzw. das Lymphödemgebiet) genau!
Die Stöcke wiederum entlasten gut Knie- und Hüft-Gelenke (es heißt bis zu 30 %). Also geeignet für Beinödembetroffene bzw. bei Gelenkproblemen der unteren Körperhälfte.
Es ist wichtig die richtige Technik zu erlernen - diese ähneld dem Skilanglauf. Kurse bieten aktuell immer mehr (Sport-) Vereine an. Die Lymphselbsthilfe Gruppen organisieren mit Erfolg Kurse und private Lauftreffs.
· Auf jeden Fall gutsitzende Kompressionsbestrumpfung bei Arm- bzw. Beinödemen tragen!
· Vielleicht hat auch Ihr Lymphtherapeut/in Lust eine Kursleiterlizenz fürs Nordic Walking zu machen?
Nähere Infos dazu + die neusten Entwicklungen dieser Sportart in Prävention und Rehabilitation unter http://www.nwga.de - Leichtes Wandern / Bergwandern - regelmäßige Pausen, günstige Aussentemperatur auf beschatteten Wegen, Atemübungen (aber auch Singen erfüllt diesen Zweck!), keine einschnürende Kleidung oder Gepäck, in guten Laufschuhen und Kompressionsbestrumpfung! Stöcke entlasten die Kniee.
- Leichtes Radfahren / Radwandern - günstige Außentemperatur, in Kompression (geht auch mit bandagierten Beinen!), immer wieder bewusst tief Atmen, regelmäßig Rast machen und Arme-Schultergürtel durchbewegen. Treffpunkt mit den Leistungsstärkeren vereinbaren. Für den Rückweg eventuelle Abholdienst, Bus oder Zug vorplanen. Gut gepolsterten Sitz (Gel), gepolsterte Radhose bei Ödemen der unteren Körperhälfte benutzen. Moderne Fahrräder gibt es mit speziellen Federungen, auch für den Lenker möglich (Armödembetroffene/ -gefährdete)!
- Tai Chi Chuan (Chinesisches Schattenboxen) - Kompressionsbestrumpfung tragen
· wirkt sich sehr gut auf den Rückfluss bei Armödemen aus
· bei Beinödemen können, gerade in der Lernphase, die Übungen für den Lymphrückfluss zu statisch sein
· lassen Sie sich von Anfang an die dazugehörende Atemtechnik erklären
· täglich für einige Minuten die Formen durchführen (üben), bis sie in "Fleisch und Blut" übergehen - Tanzen - in flachen Schuhen und nicht einengender Kleidung, Atmung, in Kompression! Günstig z.B.
· Gesellschafts-
· Bauchtanz
· Orientalisches-, aber auch andere Folkloretänze - Skifahren
· Langlaufen kann günstig bei Kopf-, Arm- und Beinödemen sein (s. auch bei NordicWalking). Langsam angehen: Außentemperaturen, Sonneneinwirkung - Sun-Blocker Creme benutzen - und die Sturzgefahr sollten nicht unterschätzt werden! Bei Lymphstau im Bereich der Oberschenkel, Leisten und/oder Genitalien: Vorsicht - Gefahr des Wundscheuerns im Schritt.
· Abfahrtski kann für bereits geübte Fahrer/innen ok sein, aber: seien Sie umsichtig (Sturz- und Verletzungsgefahr natürlich sehr hoch) und nicht an alte Leistungen / Geschwindigkeiten wieder anknüpfen wollen.
Haben Sie sich im Sommer/Herbst mit (Ski-) Gymnastik fit gemacht?
Apropos: Leistungssport oder risikoreiche Sportarten, d.h. unfallträchtige und die zusätzlich ein hohes Maß an körperlicher Geschicklichkeit / -Koordination bedürfen neu zu erlernen sind bei chronischen Lymphödemen bzw. dafür gefährdeten Personen, wie nach Lymphknotenentfernung bei Krebserkrankungen!, eigentlich nicht zu empfehlen!
Z.B. das Abfahrtskifahren, Snowboarden, Fußballspielen, Handball oder auch Inlinern, .....
Auf jeden Fall - bei jeglicher Sportart - sollten Sie durch Schutzkleidung und defensives Ausüben folgendes vermeiden:
-Überlastung von Muskulatur und Gelenken, -Blutergüsse, -Prellungen, -Zerrungen der Bänder + Muskulatur, -Knochenbrüche, -Verletzungen der Haut (Kratzer, Platz- oder Schnittwunden), -Sonnenbrand, -Auskühlung usw.
Internetseite des Deutschen Sportbundes:
2003 wurde gemeinsam mit der Dt. Gesellschaft für Unfallchirurgie ein sehr guter Überblick zu typischen Sportverletzungen und Hinweise zur Erstversorgung bei - klarerweise - ansonsten gesunden Sportlern ins Internet gestellt. Es lohnt sich dennoch sehr dort mal reinzuschauen, um sich ein Bild zu möglicherweise gefährdeten Körperregionen zu machen.
Sollte doch mal was passiert sein, auch kleinste Verletzungen sehr sorgfältig versorgen (lassen) und nachbeobachten. Sich zunächst schonen und betroffenes Bein / Arm hochlagern. Scheuen Sie sich nicht frühzeitig sowohl ärztlichen als auch lymphtherapeutischen Rat und Behandlung zu suchen!
Und welche Sportarten und -gruppen fürs Lymph- und Lipödem sind Ihnen bekannt?
Informieren Sie Ihre regionale Lymph-Selbsthilfegruppe, es sind sicher auch andere Betroffene interessiert!
Gemeinsam macht Sport und Bewegung halt mehr Spaß!
Platz für Tipps + Anregungen:
Frau C. Oelke-Scorrano (Lymphtherapeutin, Münster b.Dieburg):
Sehr gut sei das Tragen von mBT Schuhen, immer wieder im Wechsel zu normalen Schuhen!
Verstärktes Abrollen durch die Spezialsohle = bessere Funktion der Muskel-Gelenkpumpe der Beine = besserer Rückfluss in den Beingefäßen
- zur Erläuterung: mBT = masai Barfusstechnologie, Schweizer Schuh-Firma
- kostenloser Einführungskurs sinnvoll, wird bei jeweiligen Vertrags-Fachhändlern mit angeboten.
- PS: Die Schuhe sind nicht ganz billig.
Frau B. Ritzkowski (Lymphtherapeutin, Wettenberg):
Die Sportart betreiben, die einem Spaß und Freude macht. Diese dann "lymphgerecht" anpassen !
Sept. 2009
